Mae gôvannen...

 
 

Leben, Tod und das Ding dazwischen - Der ewige Kreislauf

Der ewige Kreislauf des Lebens: Das Leben erwacht, blüht auf, erreicht seine grösste Zeit, verblasst und stirbt, dem nachfolgenden Leben Platz schaffend. Für einen Waldelfen ist dies der natürliche Lauf der Dinge, und diese Bestimmtheit gibt ihm seine Sichtweise der Welt gegenüber. Eine Geburt ist immer etwas Wundersames und Schönes, der Tod etwas Unausweichliches. Wenn ein Elf eines natürlichen Todes stirbt, spüren jene, die ihn kennen, selten Trauer. Sie wissen, dass er so ein erfülltes Leben führte und glücklich starb. Doch nicht immer sterben Waldelfen auf natürlicher Weise, sondern auch durch Gewalteinwirkungen, Kampf, Unfälle oder eine Vielzahl anderer Möglichkeiten verfrüht. Solch ein Vorfall ist meist schockierend für die anderen Waldelfen, doch eher da es niemand hat kommen sehen.
Im Gegensatz zu anderen Völkern haben die Waldelfen keine Bestattungsrituale, Friedhöfe oder Lobeshymnen für Verstorbene. Die wenigen Geschichten, welche man sich erzählt und in denen ein Waldelf eine tragende Rolle spielt, heben nicht den Elfen, sondern einen Umstand, eine Art, eine Tat oder eine Moral hervor. So sehr das Waldvolk auch mit Leben und Tod umgehen kann, umso problematischer stehen sie dem Thema "Untot" entgegen. Untote brechen den Kreislauf und bestehen widernatürlicherweise weiter in der Welt, schaffen keinen Platz für neues Leben und gefährden das Bestehende dazu. Waldelfen sehen im Untod den Bruch des wichtigsten Grundsatzes der Welt, und dementsprechend handeln sie auch.
Seltsamerweise reagieren Waldelfen auf zweierlei Weise bei Begegnungen mit dem Untod. Genau wie sie das Gleichgewicht in den Wäldern zu erhalten versuchen, bemühen sie sich gleichfalls, durch Tilgen des Untods die Balance der Welt wiederherzustellen, welche sie gefährdet sehen. In einem solchen Augenblick wird kein Waldelf lange reden oder verhandeln, sondern gleich zur Tat schreiten und sich im Kampf stellen oder weitere Helfer hinzu holen, um sich selbst nicht zu gefährden. Waldelfen haben eine unbestimmte Angst, durch etwas Untotes ihr Leben zu lassen, da sie fürchten, selbst ein solches Schicksal zu erleiden.
Andererseits halten sich Waldelfen fern von verfluchten Orten, wo der Untod herrscht. Nach etlichen Jahren haben die Waldelfen anerkennen müssen, dass es keinen Sinn hat, etwas zu bekämpfen das sich immer und immer wieder aufs neue erhebt. Aus diesem Grund meiden die Waldelfen Friedhöfe, Gruften und Ruinen, wo der Untod sich festgesetzt hat, da sie ihn nicht vertreiben können.
Seltener in der Geschichte kam es vor, dass jemand einen Weg fand, einen solchen Ort auf ewig vom Untod zu befreien. Vor vielleicht 120 Jahren schickte ein Fürst einer nordischen Provinz Faerlans Herolde zu den Waldelfen und Zwergen aus, mit der Bitte, ihm bei einem Vorhaben zu unterstützen. Seit Jahren war der Landsitz des Fürsten und die Waldstücke um das Anwesen von Untoten befallen, und er fand einen Weg mit Hilfe von Priestern und einem Ritual, den Fluch zu brechen. Während die Zwerge mit dem Fürsten über einen Preis für ihre wertvollen Dienste handelten, gingen die Waldelfen sofort mit dem ihnen geschickten Herold mit, um zur Tat zu schreiten. Drei Tage später wurde der Fluch gebrochen und so schnell wie die Waldelfen auftauchten, waren sie auch wieder verschwunden ohne eine Belohnung zu verlangen. Kurze Zeit später sprach der Fürst dem Waldvolk das gesamte Waldland nördlich seiner Stadt zu und verbot seinen Jägern und Holzfällern die Arbeit in diesen Teilen. Die Waldelfen erfuhren von seinem "Geschenk" erst acht Jahre später durch ein Gespräch beim Warenhandel davon, doch hörte der Fürst nie ein dankendes Wort. Sie kamen nicht wegen dem Fürsten, sondern der Untoten wegen und argumentierten, dass der Fürst nichts verschenken kann, was ihm nie gehörte.
Erwähnung sollten noch Vampire und Nekromanten finden. Auch wenn ein Vampir nicht ersichtlich hier einzuordnen ist, sehen die Waldelfen in ihnen etwas Widernatürliches und somit etwas, das in nichts besser ist als ein Zombie. Da die Waldelfen allerdings nicht in den Städten der Menschen leben, hören und erleben sie kaum etwas über Vampirismus. Nekromanten hingegen sind nicht untot, doch nutzen sie Untote für ihre Zwecke. Unter den Untoten oder dem Untod dienenden Massen sind sie wohl die einzigen, welche man nicht zwangsweise sofort mit einem Pfeil begrüssen würde, wenn man sie erkennt. Vorgehensweisen der Waldelfen einem Nekromanten gegenüber sind vielfältig und weichen oft voneinander ab. Während die einen ihn wohl doch zur Strecke bringen wollen, würden andere ihn meiden oder versuchen, ihm diesen Weg auszureden. Niemand weiss, ob ein solches Gespräch, falls es überhaupt jemals eines gab, erfolgreich war, doch ist es wohl eine der wenigen Bekehrungensformen, in der Götter keine Erwähnung finden.

 

 

 

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